Von Hasen – und der Komplexität der Wahlfreiheit

Als ich klein war, wünschte ich mir oft ein kleines Käfig-Haustier.

Queeny

Ein Hamster, Hase oder eine Maus, dachte ich, könnte einfach immer da sein. Praktisch. Handlich.

Tatsächlich ergab es sich irgendwann, dass wir Hasen bekamen. Und zwei davon, sowie ein Meerschweinchen später, war es unsere dritte Häsin, Queeny, die ich irgendwann im Garten beobachtete.

Ich tat das öfter.

Und dachte dabei nach.

Und fragte mich: warum macht es sich der Mensch eigentlich so schwer?

Wir geben uns hunderte Wahlmöglichkeiten jeden Tag. Egal ob es um kleinere Dinge geht oder um richtig große Entscheidungen.

Wir möchten Karriere machen, uns selbst verwirklichen, Spaß haben, eine große Party – und dabei immer noch „wir selbst“ sein.

Aber wer sind wir eigentlich? Woher kommen diese Wünsche und Träume, die wir haben oder meinen zu haben?

Sind das wir?

Bin das ich?

Ich blickte zur Häsin. Ob sie wohl auch irgendwelche Gedanken bewegen? fragte ich mich.

Wenn es ihre Lebensaufgabe sein sollte sich zu vermehren, dann wird sie ihr hier gnadenlos verwehrt.

Ob sie das weiß? Ob sie wohl an sich selbst zweifelt, weil sie sich nicht selbst verwirklichen kann? Oder ist sie mit dem zufrieden, was sie hat? Mit der Welt, die sie kennen gelernt hat?

Ist es ihr egal?

Wir Menschen haben eine Welt kennen gelernt, die uns schier unendliche und teils fantastische Möglichkeiten bietet.

Aber sie hat auch Angst in uns geschürt. Angst um unsere Zukunft, unsere Existenz. Je mehr wir haben, desto größer ist die Furcht davor, alles zu verlieren.

Wir treiben durch die Welt, während das Leben als ein abstraktes Bild an uns vorbei zieht und uns freundlich zulächelt. Wenn wir genau hinsehen erkennen wir, dass es uns sogar die Hand entgegen streckt… wir könnten zugreifen…

Wir müssen uns „nur“ dazu entscheiden.

Während ich so nachdenke, nagt die Häsin an einer Möhre.

Zu gern würde ich sie fragen.

Aber ich bleibe unwissend. Und sie bleibt in meiner Vorstellung ein Wesen, das nur im Moment lebt. Den Grashalm so nimmt, wie er wächst.

Und ich nehme mir vor, es ihr zumindest ein bisschen gleich zu tun.

Lasse meine Gedanken Gedanken sein und lege mich ins grüne, weiche Gras…

 

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In dankbarer Erinnerung an Queeny, Kuschel, Cleo – und all die andern



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