Leidenschaft

In einer Welt, in der es alles schon gibt,
hab ich mich in die Worte verliebt.

Aber egal wie groß ich denke,
egal wie schwer es fällt,
irgendjemand, auf dieser Welt,
hat die selben Fragen schon einmal gestellt.

Und Antworten gefunden, viel schöner als meine,
meine Worte sind unbeholfener als seine,
und wenn ich es mir aussuchen könnte, dann wär ich lieber er oder sie.

Als ich klein war dachte ich, ich könnte alles werden,
und ich versuchte alles zu werden, außer mir selbst.

Denn was ich lange schon weiß, ist, dass Erwachsene lügen.
Heute bin ich selbst einer und mache genau das selbe.
Ich tu so als wäre alles okay, obwohl ich immer traurig bin.
Und ich tu so als hätt‘ ich ne Aufgabe, dabei fehlt mir grade jeder Sinn.

Wenn ich mich umsehe, seh‘ ich Leere im Überfluss,
ich sehe große Pläne, aber viel größeren Überdruss.
Ich sehe Klimawandel, Krieg und Ungerechtigkeit,
Armut, Trauer, Hilflosigkeit.

Ich sehe bedrückende Schwere und überfordernde Leichtigkeit.

Denn wie man uns sagte, können wir alles werden.
Und das war nicht ganz gelogen, denn wir können tatsächlich alles werden,
aber nicht alles auf ein Mal.

So steh ich dann vor der Wahl und weiß eigentlich schon mein Leben lang was ich will.

Doch in einer Welt, in der es alles schon gibt,
hab ich mich in die Worte verliebt.

In einer Welt, in der pro Wort bezahlt wird, koste es was es wolle, hauptsache nicht zu viel.
In einer Welt, in der Romane massenweise für’n Euro verscherbelt werden,
Ebook-Abo sei Dank.

Was hat es da für eine Bedeutung, ob ich schreibe oder nicht?
Es hört mich sowieso keiner im Gebrüll geschriebener Worte.

Aber viel ist nicht unbedingt gut.
Und billig ist es nicht unbedingt Wert.

Bin ich denn gut genug um es wert zu sein?
Habe ich eine Bedeutung in dieser Welt – selbst wenn mich keiner hört?
Ist es nicht besser, lieber gleich stumm zu sein und dem Wust an Worten wenigstens nicht noch mehr hinzuzufügen?

Ich versuchte ja, ein Leben zu leben ohne Kunst,
ohne Unnützigkeit.

Aber lieber sterbe ich gleich.

Denn es ist doch so:
In einer Welt, in der es alles schon gibt,
hab ich mich, ja verdammt, in die Worte verliebt.

Und auch wenn es für sonst niemanden wichtig ist,
hab ich es nun Jahre vermisst.

Leidenschaft kommt von leiden – oder auch nicht.

Aber wenn es Leiden braucht, um Bedeutung – für mich – zu erwerben,
dann nehm‘ ich lieber das, als ohne, jeden Tag, lebendig zu sterben.


Ein Kommentar zu “Leidenschaft

  1. Du wirst niemals ohne Kunst leben können. Und das ist auch gut so. Bleib so. Es lebe der Freigeist und die Poesie.
    Mir gefällt was ich von dir sehe.
    Liebe Grüße an dich , ich hoffe, wir bleiben in Verbindung.
    Zehra

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