Das Katze vs. Freiheit Paradoxon

Wie zwei kleine Kater meine Vorstellung von „Freiheit“ veränderten

Bloß nichts festes.

Ja keinen festen Job. Zumindest keinen, der bedeuten würde, jede Woche zur selben Zeit an den selben Ort zu kommen. Neinneinnein. Dann doch lieber sparsam leben. Unsicher. Frei. Nichts ist wichtiger als das: frei sein.

Kinder? Tiere? Irgendwie ja schon. Aber wenn ich so darüber nachdenke, krieselt es doch schon wieder in meinem Kopf. So viel Verantwortung! So viele Einschränkungen!

Wenigstens müsste ich vorher noch all das abhaken, was nachher nicht mehr (so einfach) geht. Auch an meinem Traum von einem eigenen kleinen Bauernhof mit Tieren kratzt diese Furcht. Stattdessen: möglichst ungebunden bleiben. Möglichst frei.

Selbst wenn ich mir oft selber nicht sicher bin, wie viel es noch mit Freiheit zu tun hat, meine Träume nicht umzusetzen aus Angst vor einem Verlust an genau dieser… ?


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Juhu, ein „Geschenk“!

Und dann kam der Tag, an dem eine halbwilde Katze drei kleine Katzenbabys bei meiner Mutter auf die Terrasse setzte.

Tada! Ein Geschenk!

Noch ganz klein. Tapsig. Schwarz-weiß. Zwei Mädchen und einen Bub – dachten wir zumindest.

Und während ich nun so schreibe, liegen zwei davon, die (zwei!) Buben, auf meinem Bett und schnurren leise vor sich hin.

Sie leben jetzt bei uns. Gehören zu uns dazu.

Jetzt können wir nicht mehr einfach so für einige Wochen verreisen. Kaum mal wirklich zu zweit über Nacht weg bleiben.

IMG_20160320_175736Wir sind eine kleine Familie geworden. Wir zwei und unsere Katzenkinder. Aber im Gegensatz zu Kindern, können wir sie nicht einfach so mit uns mit nehmen (zumindest nicht immer – oder doch?).

Verantwortung. Sorgen. Kosten. All das kam mit den beiden Wildkatzen zu uns nach hause.

Wie kommt es dann aber, dass ich mich mit Katze auf dem Arm kein bisschen weniger frei fühle?

Dass ich mich – vielmehr – viel bälder zurück nach hause sehne, wenn ich unterwegs bin. Mich einfach nur darauf freue, meine kleinen Fellnasen bald wieder in den Arm zu nehmen. Ihnen beim Spielen und Kämpfen zuzusehen.

IMG_20151225_031653Wie viel Lachen, wie viel Freude sie uns schon gebracht haben in dem dreiviertel Jahr, das sie jetzt bei uns sind.

Und wie selten ich dabei gedacht habe: verdammt, ich bin weniger frei.

Trotzdem bleibt die Sorge: werde ich mich immer so fühlen? Wie oft werde ich es bereuen, dass wir uns für die kleinen Kater entschieden haben? Wie oft werde ich denken, dass die Entscheidung falsch war? Dass ich mir mein „altes Leben“ zurück wünsche? Die Freiheit. Ungebundenheit. Das Weniger an Verantwortung?

Ich weiß, dass ich ein anderer, innerlich ruhigerer Mensch bin, wenn Tiere um mich herum sind. Und so lange habe ich dieses Bild vor Augen, von einem Selbstversorger-Hof in wilder Natur. All das wird mich an sich binden, zumindest zum Teil.

IMG_20160419_162154Und all das habe ich bisher vor mir her geschoben, weil ich genau das nicht will: gebunden sein.

Von meiner Freiheit etwas abgeben. Und noch mehr: jemandem, der eigentlich nichts dafür kann, dafür böse sein, dass mir nun ein wenig meiner alten Freiheit fehlt. Dabei liebe ich das Gefühl der Verantwortung. Das der Verbundenheit. Und das einer wichtigen Aufgabe.


Im Moment jedoch weiß ich nur, dass es sich richtig anfühlt, wenn ich meinen verschlafenen Schätzen über ihre weichen Köpfe streichle.

Mehr nicht.

Da ist so viel Liebe, die man bekommt, und so viel Liebe, die man geben kann.

IMG_20160425_003203Und vielleicht liegt die eigentliche Freiheit genau darin: selbst zu entscheiden, welche Kompromisse man eingeht. Und wofür.

Wie viel von dem, was sich frei anfühlt, man bereit ist abzugeben. Für seine Träume. Für das, was einem wichtig ist. Für die Ideale und Wünsche, die man in sich trägt.

Und vielleicht… ist man am Ende ja auch gar nicht weniger frei – nur anders.

 

 




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