Die genialste Art zu kochen

Ich mag’s gern wild, praktisch und öko. Und ich koche gerne.

Schon letzten Sommer lernte ich auf einem Selbstversorgerhof eine Möglichkeit kennen, das alles zusammen zu bringen. Kompakte, kleine Öfen, die effizient und schnell heizen und mit trockenen Ästen funktionieren. Kein Holz hacken, kein langes Lagern und Trocknen; einfach im Wald aufsammeln und los.

Es gibt verschiedenste Varianten für solche kleinen, effizienten, günstigen Öfen:

  • Hoboofen; Rocketstove; Holzgasofen
  • von „unten und oben ein Loch“ bis hin zu komplexeren Varianten mit nach oben versetzten Böden
  • aus einem Stück oder aus verschiedensten Teilen, mehreren Dosen, Gittern, …

Letzes Wochenende habe ich mir nun meinen ersten eigenen Ofen gebaut – einen Hoboofen nach eigenem Design, mit ein paar Raffinessen und aus nur einer großen Dose.

Und das ging so…

Mit zwei guten Freunden zog ich los in die Stadt – die Aufgabe: große Dosen (min. 800 ml) auftreiben, möglichst bereits ohne Inhalt.

Zunächst ernteten wir vor allem verständnislose Blicke, doch dann trafen wir in einem kleinen türkischen Supermarkt auf genau die richtige Frau. Sie verstand sofort, was wir wollten und erzählte mit strahlenden Augen von ihren eigenen Erfahrungen mit dem Kochen und Backen im Feuer.

Schließlich stellte sie uns mehrere große Dosen zur Verfügung – an deren Inhalt (Oliven) hätten wir wohl sonst einige Wochen zu essen gehabt. 😉

Außerdem hatte sie in ihrem Laden handgefertigte, günstige Tontöpfe, die auch noch den selben Durchmesser wie die Dosen hatten. Perfekt!

Ich entschied mich für einen Hoboofen, weil der so ziemlich die einfachste Grundvariante darstellt und mit ein bisschen Geduld (und im besten Fall dem richtigen Werkzeug) für so ziemlich jeden gut machbar ist.

Das Prinzip Hoboofen (Wikipedia)

Ein Hoboofen, auch Hobokocher, ist eine Feuer- bzw. Kochstelle, die nach dem Kamineffekt funktioniert. Er ist benannt nach den Hobos, nordamerikanischen Wanderarbeitern, denen er als Herd und Heizung diente. Heute wird die Bezeichnung oft auch für industriell gefertigte Trekking-Holzkocher verwendet, die nach demselben Prinzip arbeiten.

Prinzip:

Die althergebrachte Methode, einen Topf auf drei Steine zu stellen und dazwischen ein Feuer zu entfachen, ist ineffizient, denn nur ein geringer Teil der Wärme erhitzt den Topf. Der Hobokocher nutzt diese Energie effizienter.

Durch die Metallwandungen des Kochers wird die Strahlungswärme eines darin betriebenen Feuers konzentriert; gleichzeitig führt der Kamineffekt zu einer hohen Luftzufuhr. Im Hobokocher verbrennen daher schon kleine Mengen Brennmaterials effizient, das heißt vollständig und bei hoher Temperatur. Leistungsangaben für kleine Hobokocher liegen meist deutlich über den Werten von tragbaren Spirituskochern, aber unter denen von Gas- oder Benzinkochern. Wie bei allen offenen Kochern kann Wind die Leistung stark verringern.

Aufbau:

Im einfachsten Fall lässt sich ein Hobokocher aus einer leeren Konservendose improvisieren. Er besteht stets aus einem hohen, unten offenen Metallgefäß, das als Brennraum und Topfträger dient. Im unteren Teil des Gefäßes befinden sich Löcher, über die dank des Kamineffekts Luft angesaugt wird. Der Kocher ist am wirkungsvollsten, wenn sich der Brennstoff auf einem Rost aus Draht oder gelochtem Blech befindet. Ansonsten liegt der Brennstoff einfach auf dem Boden, auf dem auch der Kocher steht.

Rauch und Abgase verlassen das Gefäß über eine oder mehrere Abzugsöffnungen am oberen Rand. In der Regel ist der Hobokocher oben offen und erhitzt ein aufgestelltes Kochgefäß. Vom improvisierten Konservendosenkocher sind aber auch Varianten bekannt, bei denen der Boden der kopfstehenden Dose direkt als Garfläche dient.

Brennmaterial:

Typische Brennmaterialien sind am Boden gefundenes Astholz, Reisig, Zapfen, brennbare Abfälle. Selbst feuchtes oder morsches Holz kann zugegeben werden. Außerhalb von Wüsten und Hochgebirgen ist Brennstoff praktisch überall verfügbar. Hobokocher mit geschlossenem Boden oder einem entsprechenden Einsatz können auch mit Flüssigbrennstoffen betrieben werden.


 

Mein Hoboofen – Hobokocher aus Dose selber bauen (Bauanleitung)

Rein theoretisch ist ein Hoboofen allein aus einer Dose und mit einem guten Messer herstellbar. Doch wir hatten das Glück, etwas mehr Werkzeug dafür zu haben.

Ich benutzte: einen Dremel, einen Akkubohrer, eine Blechschere, Schraubzwingen.

Meine Features:

  • ein nach oben versetzter, gelochter Boden für eine Belüftung der Brennkammer von unten
  • eine Spezialkonstruktion für die Kochplatte – sorgt für extra Stabilität und funktioniert auch für Gefäße mit geringerem Durchmesser als dem des Kochers, ohne separates Material zu brauchen; wichtig ist hier, dass, auch wenn ein Topf drauf steht, immer noch Öffnungen bleiben

Und das ist das Ergebnis:

Hoboofen Hoboofen Hoboofen

Die Bilanz

Ich kann mit meinem neuen Kocher schnell und unkompliziert einfache Gerichte, Tee und Kaffee kochen. Wie lange sich der Kocher hält, muss sich noch zeigen, eventuell bekommt er noch eine Schicht Ofenlack oder ähnliches drauf, um ihn unempfindlicher zu machen. In jedem Fall lebt er nun schon länger als die meisten seiner Dosengenossen und hat dabei eine sinnvolle Aufgabe – gelungenes Upcycling also!

In der Zwischenzeit habe ich bereits mehrmals eine einzelne Tasse Kaffee gekocht und brauchte dafür nur wenige dünne Äste.

Hobokaffee Hobokaffee

Da der Kocher keine große Speichermasse hat, kühlt er schnell wieder ab und eignet sich dafür sehr gut auch für unterwegs.

Die Kombination aus Hobokocher und Tontopf ist zum Kochen grandios. Der Tontopf speichert die enorme Hitze des Kochers und gibt sie gleichmäßig an den Topfinhalt weiter. Es entsteht genügend Hitze, um etwas anzubraten und sie ist schön gleichmäßig zum Garen. Bisher haben wir Risotto und Gulasch gekocht.

Hobokocher mit FeuerHobokocher und TontopfHoboessen

Wir haben am selben Tag auch einen Rocketstove gebaut, mit Speichermasse aus Kies und Sand sowie Aufsatzgittern in verschiedenen Höhen. Mit dem höchsten davon lässt sich mit dem Tontopf zusammen leckeres Brot backen.

Durch die Speichermasse bleibt der Kocher deutlich länger warm und kann noch eine Weile als Ofen benutzt werden. Mein letztes Risotto köchelte jedenfalls noch eine halbe Stunde nachdem das Feuer ausgegangen war, über der Glut und Speichermasse vor sich hin. 🙂

Hoboofen und RocketstoveHoboofen und Rocketstove Rocketstove Upcycling Rocketstove mit RisottoRocketstove mit Pfannkuchen


Update: inzwischen hat uns der Hoboofen auf einer einwöchigen Tour durch die französischen Vogesen begleitet. Genial!

Gerade in den waldreichen Vogesen liegt der Brennstoff einfach überall herum.

Und gerade weil es so viel Wald gibt, sind offene Feuer oft nicht erlaubt. Kein Problem mit dem Hoboofen.

Ach ja: das in der Pfanne geröstete Brot mit geschmolzenem Käse waren so direkt am Feuer gegessen nicht nur lecker – uns war dabei auch noch schön warm. Und erst die Pfannkuchen am nächsten Morgen…

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Bei Fragen zum Hobokocher oder Rocketstove, schreib mir gerne eine Mail.



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3 Kommentare zu “Die genialste Art zu kochen

  1. Hallo Nadine,

    danke für die Anleitung. Ich hatte so einen Kocher mal im 2*Phablet-Format (faltbar), um beim Paddeln etwas unabhängiger vom Spiritus zu sein. Hat immer gut funktioniert. Wie genau hast Du den Rocketstove gebaut? Oder kommt da noch ne Geschichte?

    Die Backoption interessiert mich sehr, da mir meine Backöfen aus Felssteinen am Meer immer mal wieder mit pfeifenden Splittern um die Ohren geflogen sind.

    • Hallo Ferdinand, gerne. Den Rocketstove hat mein Freund (http://beyer.xornet.de/) gebaut.
      Im Grunde ist es die selbe Dose, die ich für den Hoboofen verwendet habe, innerhalb einer größeren Oliven-Dose. Im Zwischenraum ist Kies und Sand. Und die Verbindung von der kleineren Dose nach Außen passiert über eine kleine Dose, wodurch Holz nachgeschoben wird. Die Speicherung der Wärme ist top. Was optimiert werden muss, ist die Belüftung bzw. die Größe des Holz-Einschub-Bereichs. Zum Mitnehmen ist dieser Kocher allerdings nicht mehr geeignet, da er durch die Speichermasse erstaunlich schwer wird. 😉 Schön aber für die Terrasse um auch mal an nem kühleren Abend drumrum zu sitzen. 🙂

  2. Hey,
    nur zur Info damit ihr nicht böse seid wenn euch nen Förster maßregelt:
    Der Hobo-Ofen zählt zu offenen Feuer und ist somit ebenfalls in jedem Wald verboten in dem man kein Feuer machen darf.

    Macht was ihr wollt, seid euch nur bewusst im Unrecht zu sein 😉

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